Schadenfreiheitsklassen – übertragen, übernehmen, Einstufung

Schadenfreiheitsklassen

Warum Schadenfreiheitsklassen (SF-Klassen)?

Die Versicherungsprämie wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Beitragsrelevant sind u.a. neben dem Fahrzeug-Typ oder dem Nutzerkreis hauptsächlich die Schadenfreiheitsklasse(SF-Klasse abgekürzt), in die der Versicherungsnehmer bei der Antragstellung für eine Autoversicherung gestuft wird.

Die Schadenfreiheitsklassen werden für die Autoversicherung in Deutschland als Bonus-/Malussystem herangezogen: Wird unfallfrei gefahren und der Versicherer somit von Entschädigungsregulierungen „verschont“, wird der Versicherungsnehmer in der nächsten Beitragsrechnung mit einer höheren Schadenfreiheitsklasse „belohnt“ und die Autoversicherung somit für ihn günstiger.
Hatte er bzw. der Fahrer im Versicherungsjahr hingegen einen Unfall, den er (zumindest teilweise) verursacht hat, sodass der eigene Versicherer für die Entschädigung aufkommen musste, wird der Versicherungsnehmer der Autoversicherung im nächsten Versicherungsjahr um einige Schadenfreiheitsklassen zurückgestuft. Es sei denn, der Schaden war eher geringfügig und wurde zurückgekauft. Dann bleibt die Zurückstufung in eine niedrigere SF-Klasse aus.

Schadenfreiheitsklassen bei der Autoversicherung

Wie findet die Einstufung statt?

Generell gilt: Je höher die SF-Klasse, desto niedriger der Beitragssatz.
So haben Sie für die Kfz-Haftpflicht- und für die Vollkaskoversicherung jeweils eine eigene SF-Klasse. Für die Teilkasko hingegen ist keine SF-Klasse vorgesehen.
Die Staffelung für die Schadenfreiheitsklassen beginnt mit der SF 0 (Beitragssatz in der Regel 95 % in der Kfz-Haftpflicht und 60 % in der Kasko) und endet mit der SF-Klasse 35 (Beitragssatz je nach Versicherer ca. 20 %).

Bei einem Versichererwechsel werden bereits erfahrene Schadenfreiheitklassen vom neuen Versicherer angerechnet. Die SF-Klasse, in der Sie sich derzeit befinden, können Sie der Beitragsrechnung vom vergangenen Jahr entnehmen. Beachten Sie jedoch auch, dass Schäden aus dem laufenden Kalenderjahr ebenso angerechnet werden. Meist werden Sondereinstufungen wie SF-Klassen für Zweitwagen vom neuen Versicherer nicht berücksichtigt. Nicht angerechnete Schäden aufgrund eines sogenannten Rabattretters werden oftmals vom neuen Versicherer negativ angerechnet. Fragen Sie bei einem beabsichtigten Versichererwechsel am besten nach, welche SF-Klasse für den Wechsel berücksichtigt werden kann.

Welche SF-Klasse bekommen Sie für Ihre Autoversicherung?

In welche SF-Klasse gestuft wird, hängt von folgenden Kriterien ab:

– Haben Sie noch nie ein Fahrzeug auf sich zugelassen, aber sind Sie seit mindestens drei Jahren im Besitz des Führerscheins? Dann erhalten Sie für Ihre Autoversicherung die SF 1/2 (Beitragssatz ca. 75 % Kfz-Haftpflicht, 55 % Kasko)

– Fahren Sie seit Jahren schon Auto und soll nun auch ein Zweitfahrzeug angemeldet werden? Dann profitieren Sie von der sogenannten Zweitwagenregelung, in der eine günstigere Schadenfreiheitsklasse berücksichtigt wird. Viele Versicherer bieten sogar an, den Zweitwagen in die selbe Schadenfreiheitsklasse zu stufen wie das Erstfahrzeug.

– Haben Sie den Führerschein weniger als drei Jahre, dann werden Sie in der Regel in die SF-Klasse 0 eingestuft. Da dies aufgrund des hohen Beitragssatzes eine entsprechend kostenintensive Versicherungsprämie nach sich zieht, bieten Versicherer für junge Fahranfänger die sogenannte „Eltern-Kind-Regelung“ an: So kann der junge Nutzer von der günstigeren Schadenfreiheitsklasse SF 1/2 profitieren, wenn er und zumindest ein Elternteil den selben Versicherer wählen. Eine andere Möglichkeit ist, das betreffende Fahrzeug als Zweitwagen über ein Elternteil zu versichern mit Berücksichtigung des jungen Nutzers im Fahrerkreis. Der junge Nutzer kann sich dann nach einigen Jahren die SF-Klasse des Elternteils auf ihn übertragen lassen.

Übertragung von Schadenfreiheitsklassen auf andere Personen

Schadenfreiheitsklassen können auch auf andere Personen übertragen werden. Meist ist der Personenkreis, auf die die SF-Klasse übertragbar ist, auf Ehepartner bzw. Partner aus eheähnlicher Gemeinschaft sowie Verwandtschaft 1. Grades beschränkt. Die Übertragung ist zudem an bestimmte Voraussetzungen geknüpft:

Derjenige, auf den die Schadenfreiheitsklasse übertragen werden soll, muss das Fahrzeug regelmäßig (am besten ohne Unterbrechung) gefahren haben.
Zudem wird die Dauer des Führerscheinbesitzes angerechnet. Es können also nur soviel schadenfrei gefahrene Jahre übertragen werden, wie sich der neue SF-Klassen-Empfänger selbst hätte erfahren können. Eventuell darüber hinausgehende Zeiten können nicht berücksichtigt werden und bleiben dem bisherigen SF-Klassen-Besitzer auch nicht erhalten. Dieser tritt seine SF-Klasse an die andere Person also vollständig ab. Dies wird in einem Formular zur Übertragung der SF-Klasse mit Unterschrift von bisherigem und zukünftigem Nutzer der SF-Klasse bestätigt.

Bei verstorbenen Personen muss die SF-Klasse innerhalb von 12 Monaten übertragen werden, soll diese nicht verfallen.
Ein Beispiel: Der 40-jährige Herr Müller hat bisher in seiner Autoversicherung die SF-Klasse 12. Er möchte die günstigere SF-Klasse 35 seines vor Kurzem verstorbenen Vaters daher gerne übernehmen. Das Auto seines Vaters hat er seit Führerscheinbesitz immer mit genutzt. Den Führerschein hat er seit 20 Jahren. Da die Übertragung von Schadenfreiheitsklassen immer in Anrechnung des Führerscheinbesitzes erfolgt, kann er sich also nicht die vollständige SF-Klasse übertragen lassen. Da die SF-Klassen-Staffel mit SF 0 beginnt, erhält er somit schließlich die SF 19.

Schadenfreiheitsklassen – übertragen, übernehmen, Einstufung

Schadenfreiheitsklassen – übertragen, übernehmen, Einstufung

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